Gain – Verzerrer Workshop

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Der Gainregler ist der erste und beinahe wichtigste Regler, mit dem die Klangcharakteristik eines Verzerrers eingestellt werden kann. Doch was ist »Gain«? Mit einem kleinen Ausflug in die Etymologie versuchen wir der Sache auf den Grund zu gain. (Haha… wie dem auch sei, in einigen Gegenden Deutschlands wird aber tatsächlich so gesprochen…)

Der angloamerikanische Sprachraum hält einen reichen Schatz geflügelter Worte bereit. Jeder Metalgitarrist kennt zum Beispiel »no pain – no gain« als Ausdruck einer einfachen Wenn-Dann-Beziehung: Ohne Schmerz kein Ziel, ohne Fleiß kein Preis, oder freier übersetzt: Wo kein Schmerz ist, da wurde der Verzerrer nicht richtig aufgedreht.

Das stimmt zwar weitestgehend, allerdings garantiert ein heruntergedrehter Verzerrer noch lange nicht dafür, dass Musik dem Rezipienten schmerzfreien Genuß bereitet. Jeder, der sich einmal Ricky King, Kennern auch als der »Mann mit den goldenen Melodien auf seiner goldenen Stratocaster« bekannt und insofern die gitarristische Entsprechung Karel Gotts, angehört hat, weiß was gemeint ist.

Lassen wir aber diesen Guitar Hero der Generation 90+ mal außer acht. Auch abseits aller allzu kulturpessimistischen Betrachtungen beweist das angloamerikanische Bonmot auch umgekehrt seinen hohen Wahrheitsgehalt. »No gain – no pain!« heißt im Klartext natürlich nur eins, Verzerrer aufreißen und dann tuts auch schön weh. So weit zumindest alle graue Theorie und gängige tiefschwarze Praxis. Wer es also hart, tief dunkel, böse und martialisch haben will, der sollte ausreichende Gainreserven an seinem Distortion-Equipment vorhalten.

Gain ist die Übersteuerung des Gitarrensignals

Was aber ist Gain denn nun genau? Jedes Effektgerät, egal welchen Herstellers, arbeitet nach demselben Prinzip. Das Gitarrensignal wird gezielt übersteuert. Daher rührt auch der englische Name »Overdrive«. Diese Übersteuerung ist verantwortlich dafür, dass Teile der durch die Saite der Gitarre erzeugten Welle (diese wird ja durch die Pickups in Strom gewandelt und liegt daher in den Bauteilen der Signalkette als elektrisches Abbild der Saitenschwingung vor) nicht mehr korrekt wiedergegeben werden (können). Die Spitzen der Wellenberge werden – vereinfacht gesagt – abgeschnitten. Das führt in der Endkonsequenz dazu, dass der typische, etwas weniger dynamische verzerrte Klangeindruck entsteht.

Verzerrer mit Gain-ReglerWieviel die Elektronik von den Spitzen der Wellenberge abschneidet, wird durch den Gain-Regler gesteuert. Durch diesen Prozess wird die Amplitude des Signals kleiner, der Ton damit natürlich leiser. Daher ist es notwendig, dass das Signal nun wieder ein wenig angehoben wird. Das wird durch eine kleine Verstärkerschaltung realisiert, die sich mit dem an nahezu allen Verzerrern vorhandenen Volume-Regler steuern lässt.

Dass es sich hierbei um eine extreme Simplifizierung der Vorgänge handelt, steht außer Frage. Wichtig sind uns an dieser Stelle eher die Kenntnis und der zielgenaue Einsatz der einzelnen Parameter, als die präzise Beschreibung der Kenngrößen und Arbeitsprinzipien der einzelnen Bauteile, zum Beispiel eines Transistors. Es geht hier um Praxisnähe und Musikalität nicht um ein das Einsparen eines Semesters in Elektrotechnik / Elektronik!

Der Sinn des Gain Reglers wäre damit also erst einmal geklärt. Je weiter dieser aufgedreht ist, umso stärker wird die Welle beschnitten, was sich in einer Zunahme des Grades der Verzerrung äußert. Je mehr Gain, desto verzerrter wird es. Doch ist es das wirklich? Einfach den »Gain-Hahn« weiter aufdrehen und schon wird’s knallig, dunkel, hart und damit besser?

Im nächsten Teil unseres Workshops wird es vor allem um Soundprobleme, die sich bei hohen Verzerrungsgraden einstellen können, und deren Lösung gain.

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